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Unsere Gesellschaft wird älter.
Demographische Trends, also der Abfall der Geburtenrate, verschieben das Durchschnittsalter nach oben. Aber vor allem Fortschritte in der Medizin und Gesundheitsvorsorge führen dazu, dass Menschen älter werden - besser ausgedrückt, länger jung bleiben.
Der Urvater der modernen Medizin, Hippokrates, starb im Alter von 56 Jahren. Er war überzeugt, dass Menschen mit 42 Jahren alt sind. Heute ist die durchschnittliche Lebenserwartung eines Mannes in Deutschland 75,6 Jahre und die einer Frau 81,3 Jahre. Der Gesundheitszustand eines typischen 50-jährigen ist besser als der eines 40-jährigen vor wenigen Generationen.
In den Medien werden Schreckensszenarien gemalt von einem neuen Klassenkampf zwischen Horden von am Krückstock vegetierenden Greisen, die immer mehr Ressourcen verzehren, und einer überstressten erwerbstätigen jüngeren Generation, die diese Ressourcen einfach nicht mehr aufbringen kann oder möchte.
Die Realität ist anders. Unser Leben gestaltet sich einfach anders als im Industriezeitalter, das von drei hauptsächlichen Lebensphasen geprägt war - Jugend und Ausbildung, Erwerbstätigkeit und Familie, Ruhestand und Tod. In der heutigen Wissensgesellschaft binden wir uns später, wenn überhaupt, und vor der Familienphase kommt oft eine Phase der Selbstentdeckung, in der wir reisen, experimentieren und unseren Platz in der Welt finden. Im Alter von 50 oder 60 kommt häufig noch mal eine Neuorientierung. Viele Unternehmensgründungen fallen in diese Altersgruppe, derer Protagonisten mit einem breiten Spektrum an Lebenserfahrung und einer gesünderen Finanzdecke kommen und deren Erfolgsaussichten sich wesentlich positiver darstellen als bei jüngeren Unternehmensgründern.
Die sich wandelnden Interessenschwerpunkte im neuen Lebensverlauf und die Verlagerung traditioneller Machtstrukturen zugunsten von Frauen führen zu einer anderen Form von partnerschaftlichen Bindungen. Zunehmend praktiziert unsere Gesellschaft eine Form von "serieller Monogamie" geprägt von mehreren Partnerwechseln im Laufe des Lebens. Altbundeskanzler Gerhard Schröder und sein Außenminister Joschka Fischer machten es vor - zum Zeit des Verfassens dieses Aufsatzes jeweils in mindestens vierter offizieller Ehe oder Partnerschaft. Eine partnerschaftliche Konstellation, die im Zeitalter der Selbstfindung passte, mag im zweiten Aufbruch nicht mehr passen.
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